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Am 24.06.2009 referierte Irmgard Heger, Architektin aus Remscheid, zum Thema "Architektur im Wandel - Wohnformen für die Zukunft"
Eine immer ältere Generation benötigt Wohnraum und zukünftige Wohnformen, die Bedürfnisse nach sozialen Kontakten, langer Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden und geringe Nebenkostenbelastung Rechnung tragen.
Brauchen wir neue Wohnformen? Was sind neue Wohnformen? Wie sind sie entstanden? Ist es eine Mode oder eine stabile Tendenz?
Oder brauchen wir eine neue Architektur für neue Wohnformen?
Neue Wohnformen entstehen oft aufgrund von wirklichen, erhofften und / oder erträumten individuellen Wünschen und / oder gesellschaftlichen Veränderungen. Früher wohnte und arbeite man auf Dauer generationsübergreifend zusammen, da man sich selber um die Kinder und alten Menschen kümmern musste.
Heute hat man weniger Kinder, dafür aber eine Alten- und Pflegeversicherung sowie entsprechende Heime.
Die kleineren Kinder gehen in Krippen und Kindergärten, Jungendliche können Dank staatlicher Unterstützung (Wohngeld, Sozialhilfe + BaföG ) das Elternhaus früher verlassen, haben längere Ausbildungszeiten. Diese Zeit der Jugendlichen ist auch eine Zeit des Experimetierens mit anderen Wohn- und Lebensformen neben und anstelle des Familienhaushaltes.
Lebensgemeinschaften trennen sich häufiger und schneller voneinander! Bis in die 70er Jahre stellte der Kuppeleiparagaph des BGB die Vermietung von Wohnraum an unverheiratete Paare unter Strafe! Das Scheidungsrecht ermöglicht heute dem ökonomisch abhängigen Partner eher als früher, nach einer Scheidung selbständig zu leben.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist dabei die allmähliche Veränderung der gesellschaftlichen Situation der Frauen. Junge Frauen ziehen in die Großstadt, um dort auf sich gestellt zu leben. Dass verwitwete Frauen ihren Haushalt alleine weiterführen ist zwar kein neues Phänomen der 60+70er Jahre, aber eindeutig neu ist die Tatsache, dass sich Frauen bewusst dazu entscheiden(können) allein zu leben. Sie ist nicht mehr das Fräulein oder alte Jungfer, sondern Sie lebt selbstbewusst eine gewünschte und autonome Alternative zur traditionellen Frauenrolle innerhalb der Familie. Das Ledigsein in einer Großstadt wie Berlin ist z.B. die häufigste _ Familienform_ für Erwachsene jeden Alters , das möchte ich betonen, geworden in dem man früher geradezu selbstverständlich verheiratet war oder es doch wenigstens sein wollte. Aber nicht alle Ledigen leben alleine, aber der Familienstatus signalisiert doch, dass sie sich diesbezüglich Optionen offen halten wollen
Viele junge + alte Menschen leben also als Single! Das öfter als früher auch bewusst. - Swinging single -
Das sind die Haupttendenzen.
Eine weitere, nicht zu vernachlässigende Gruppe sind die körperbehinderten und geistig behinderten Menschen alt+ jung, die entsprechenden Wohnraum benötigen. Früher 30qm/ P heute 50bis 60qm /P
Migranten sind eine weitere Gruppe, so denn sie in unsere Gesellschaft integriert werden wollen kommen ebenfalls hinzu.
Neue Wohnformen sind also sowohl Folge des gesellschaftlichen Wandels und zunehmender sozialer Differenzierung und Individualisierung als auch Ausdruck vielfälltiger Wünsche und Bedürfnisse nach eigenverantwortlicher Gestaltung von Wohnverhältnissen - abseits der traditionellen kleinfamiliären Wohnform.
Diese Individualisierung unserer Gesellschaft verlangt nach Lösungen!
Anders Wohnen Ökologisch und sozial wohnen Jung + Alt unter einem Dach Werden heute unter dem Begriff NEUE WOHNFORMEN diskutiert.
Das Wort Nachbarschaft oder verlässliche Nachbarschaften bekommt dabei wieder einen neuen Stellenwert: Gemeinschaftliches Wohnen mit Jung +Alt Bewusste Organisation sozialer Netze Bestimmte Haushaltfunktionen gemeinschaftlich erledigen -Kinderbetreuung, kochen Isolation und Anonymität zu durchbrechen - Entlastung der berufstätigen Frau Engere Kommunikation
Dies alles ist ein Äquivalent für sich ausdünnende soziale Netze - es bilden sich neue Verwandtschaften... Ein Einzelkind, dessen Eltern ebenfalls Einzelkinder waren, hat nach deren Tod keinen einzigen näheren Verwandten, keinen Onkel, keine Tante. Je enger man dann aber zusammen wohnt, desto genauer muss die Selektion der Nachbarn erfolgen. Denn je mehr und je Privateres man miteinander teil, desto wichtiger wird die Übereinstimmung. Obhut der Kinder, wenn die Erziehungsstile unterschiedlich sind Werkzeug verleihen, wenn es nicht pfleglich behandelt wird
Offenheit und Respekt vor der Privatheit eines jeden Einzelnen sind die entscheidenden Grundlagen für eine neue Familie in einer neuen zukunftsweisenden Wohnform, z.B. dem Mehrgenerationenwohnen. |